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Bogotá – 3 Tage in Kolumbiens Hauptstadt

Bogotá war mein erster Kontakt mit dem südamerikanischen Kontinent und der Auftakt meiner wundervollen und unvergesslichen Zeit in Kolumbien. Hier in der Hauptstadt wollte ich ein paar Tage verbringen, bevor ich weiter nach Cali gefahren bin, wo ich die nächsten Monate wohnen würde.

Ankunft in Bogotá

Bevor ich nach Kolumbien ging bin ich diverse Male gewarnt worden, ich solle doch aufpassen nicht umgebracht zu werden. Lächelnd habe ich das zuhause noch abgewunken. Jetzt war ich da und was soll ich sagen – ich hatte richtig Schiss. Herzliches Dankeschön an dieser Stelle für all die liebgemeinten „Aufpassen“-Ratschläge der Narcos-Gucker, sie erfüllten mit der Landung in Bogotá ihre Wirkung. Mein Hotel bot einen Shuttle-Service an, der einen vom Flughafen abholt. Super, so muss ich nicht in ein Taxi steigen und werde direkt am ersten Tag schon gekidnappt.  (Kurzer Spoiler: Meine Meinung ändert sich noch gewaltig 😉)

Ich werde von Manuel also am Flughafen El Dorado abgeholt, ein netter Mann, schätzungsweise Mitte 40. Er nimmt mir direkt meinen Rucksack ab und bringt mich zu seinem Auto. Sichtlich erleichtert, dass ich Spanisch spreche, fragt er mich nach meinen Musikwünschen. Ich gebe ihm volle Freiheit und schon dröhnt Salsa-Musik aus den ratternden Boxen im Auto. Das war der Moment wo mir bewusst wurde, okay – ich bin wirklich da und meine Zeit in Kolumbien hat wirklich begonnen. Manuel möchte mir im Dunkeln aus dem Auto heraus noch alles Wissenswerte zu Bogota erklären, aber richtig aufmerksam kann ich leider nicht mehr sein – ich bin zu müde nach dieser Anreise. Er bietet mir deshalb an, mich am nächsten Tag abzuholen und mir die Stadt zu zeigen. Oh ja, bitte! Dann muss ich nicht alleine durch diese gefährliche Stadt laufen und würde noch einen weiteren Tag überleben.

Tag 1: Altstadt, Markt und Aussicht über Bogotá

Ich frühstücke zunächst richtig lang und entspannt im Hotel, was ich nach der Nacht auch brauchte. Kurz danach holt mich Manuel ab und präsentiert mir den Plan für den Tag. Der sah erstmal vor, dass wir auf den Markt gehen – sorry, ich meine fahren. Mit seinem Auto kämpft er sich durch die kleinen Gassen in der Altstadt von Bogotá von denen ich eigentlich gedacht hätte, sie seien nur für Fußgänger (waren sie vielleicht auch?) und wir werden mehr als einmal komisch angeguckt oder angeschimpft. Wir geben das Auto an einem Platz ab, den ich eher irgendwo in der Kategorie „Schrottplatz“ verortet hätte, aber Manuel wollte hier parken. Naja, er muss es wissen. Auf dem Markt darf ich mich durch alle möglichen leckeren Früchte probieren, die mir im Laufe der Zeit normal und geläufig werden sollten, die ich zu dem Zeitpunkt aber noch nie vorher gesehen hatte. War keine gute Idee, so ausgiebig gefrühstückt zu haben.

Nach dieser Markterfahrung geht es zurück zum Schrott- ähhh Parkplatz, und unser Auto existiert sogar noch. Weiter geht’s zu einem Aussichtspunkt. Ich hatte im Vorfeld gelesen, dass der Cerro de Montserrate wohl ein beliebtes Ausflugsziel sei, aber da sollte es nicht hingehen. Wir sind mit dem Auto hoch zum Cerro de Guadalupe gefahren, und das war super! Wir waren nämlich fast die einzigen, nur zwei andere Männer waren noch mit uns dort oben. Dazu muss man sagen, dass wir unter der Woche dort oben waren. Ich war später nochmal am Wochenende oben, was sich grundsätzlich auch ganz viele kolumbianische Familien vornehmen und es war voller Verkäufer und Imbissständen – ein ganz anderes Bild. Wenn man es also lieber entspannt mag und auf Getränke und Verkaufsstände verzichten kann, dann sollte man tunlichst unter der Woche nach oben.
Man hat einen wunderbaren Blick über die gesamte Stadt und auch auf den Aussichtspunkt Monserrate. Dort tummeln sich gerade die ganzen anderen unwissenden Touristen, während wir hier ganz entspannt auf dem Guadalupe Gipfel stehen und die Aussicht für uns allein haben.

Nachdem wir hier ein bisschen rumgelaufen sind fährt Manuel mich und Carolin, eine Freundin von Manuel die unterwegs zugestiegen ist und auch mitkommen wollte, zu einem kleinen Ökopark, dem Parque Ecológico Matarredonda. Ich glaube, niemand kennt diesen Park. Wieder sind wir die einzigen und spätestens jetzt zahlen sich Manuels Dienste voll und ganz aus. Wir machen eine kleine Wanderung und ich bekomme zum ersten Mal die typische und einzigartige Páramo Landschaft Kolumbiens zu sehen, darunter auch die endemische Pflanze Frailejón (und nicht Fray León, also Bruder Leon, wie ich es mir über Monate selbst erklärt habe in dem Glauben, dass Bruder Leon ja vielleicht diese Pflanze entdeckt hat).
Wir laufen zu einer kleinen Lagune, die eine Möglichkeit von verschieden langen Wanderwegen darstellt. Der Weg war wirklich sehr schön, auch wenn die Lagune eher ein kleiner Tümpel war. Und auch wenn es schön sonnig aussieht – es war trotzdem ziemlich kalt!

Später geht es für uns dann in die Altstadt, a.k.a. La Candelaria. Unsere Tour startet direkt am Plaza de Bolivar, wo man auch schon von der Kathedrale, dem Justizpalast, dem Kongressgebäude und dem Rathaus umzingelt wird. Von dort auslassen wir uns noch ein bisschen die Straßen entlangtreiben und ich verliebe mich in den Anblick der umliegenden Berge, die immer wieder durch die bunten Gassen durchscheinen.
Gegessen haben wir übrigens im La Puerta de la Catedral, wo ich zum ersten Mal Sancocho, einen typisch kolumbianischen Eintopf probiere. Zum Nachtisch bekomme ich eine himmlische Oblea de Mick Jagger – das sind zwei große Oblaten, die mit verschieden süßen Dingen gefüllt werden wie z.B. Karamell oder Marmelade. (Oder man lässt sich wie ich die Obleas einfach mit allem füllen.) Diese Oblea-Stände gibt es überall, aber dieser hier ist der berühmteste, da sich Mick Jagger hier auch schonmal eine Oblea gegönnt hat.

Tag 2: Museo Botero, Museo de Oro und Zipaquirá

Am nächsten Morgen holt Manuel mich ab und wir fahren zunächst wieder in die Altstadt. Dort besuchen wir das Museo Botero. Hier sind wirklich lustige und coole Werke von Fernando Botero ausgestellt, der für seine Darstellung von dicken Personen, Tieren, Lebensmitteln und anderen Gegenständen bekannt ist. Alles ist dick, jedes Pferd, jede Banane und jeder Tisch. Das Museum hat die perfekte Größe, es ist nicht zu groß, dass einem langweilig wird, und nicht zu klein, dass sich ein Besuch nicht lohnen würde. Danach geht es über einen Platz, an dem Smaragdsteine gehandelt werden, hinein ins Museo de Oro. Sooo viel Gold auf mehreren Etagen! Dieses Museum war tatsächlich zu groß für meinen Geschmack. Und dann passiert folgendes: ich starte höchstmotiviert, lese mir jede noch so kleine Beschreibung durch und nehme die volle Dröhnung Information mit, schließlich weiß man nicht, wann man nochmal herkommt. Doch dieser Ambitionismus lässt irgendwann ziemlich rapide nach und am Ende gehe ich nur noch im Museum spazieren. War aber auch schön. An alle Goldinteressierten: hier gibt’s viel zu sehen, wirklich seeeehr viel.

Danach sind wir mit dem Auto raus aus Bogotá gefahren und ich durfte zum ersten Mal den Stau in Bogotá erleben. HEFTIG. Wir standen zwischen Autos, Abgasen und Hupen und es nahm kein Ende, was mich dermaßen gestresst hat, dass ich am liebsten geweint hätte. Vor Manuel und Carolin wollte ich mir nicht die Blöße geben und hab mich zusammengerissen. Als es irgendwann weiterging, war der Tag für mich eigentlich schon erledigt. Die Fotos, die im Nachhinein entstanden sind sprechen auch für sich, ich sehe unfassbar fertig aus. Mal sehen, ob ich mich bei Zeiten noch traue sie hochzuladen😉

Unser Ziel: die Salzkathedrale in Zipaquirá, ein Dorf nördlich von Bogotá. Hier bewaffnen wir uns mit einem Audioguide und begeben uns damit tief in die unterirdischen Gänge des Salzbergstollens. Der Bereich ist gigantisch und man erfährt, dass eigentlich nur ein winzig kleiner Teil des gesamten Systems der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Auf dem Weg geht man den Kreuzweg entlang bis hin zur großen Halle und es ist wirklich beeindruckend, was meine Stimmung wieder auf Normal-Glücklich hebt.

Tag 3: Graffiti Tour und Botanischer Garten

Den letzten Tag darf ich zusammen mit meiner Freundin Anne verbringen, die zusammen mit ihrer Schwester eine Reise durch Kolumbien startet. Nachdem wir am Abend vorher noch fix in La Puerta Falsa gegessen haben und ein wenig durch Bogotá gestreunt sind, sollte es heute ganz früh morgens losgehen zur Graffitti Tour in der Altstadt Bogotas. Hierbei handelt es sich um eine Free Walking Tour, die sich auf die Streetart Szene der Stadt fokussiert. Man bekommt allerlei Infos über verschiedene Künstler, die politischen und sozialen Hintergründe, die den Graffittis zugrunde liegen und auch, welchen Regeln und Gesetzen ein Künstler innerhalb der Szene unterliegt. So gilt es als Zeichen mangelnden Respekts, ein Graffiti zu übermalen – unser Guide Jeff war deshalb sprachlos, als ein Graffiti was er uns eigentlich vorstellen wollte plötzlich übersprayt war.

Später ging es etwas aus der Stadt heraus, da im Zentrum die Vorbereitungen für ein Festival liefen und es uns zu voll und hektisch war.
Deshalb ging es ab in den Parque Simon Bolivar, um etwas mehr Ruhe zu haben (ruhig im klassischen Sinne war´s hier auch nicht, aber jedenfalls ruhiger). Mein Highlight hier: ich habe meinen ersten Kolibri gesichtet!

Was ich das nächste mal (anders) mache

  • Unabhängiger unterwegs sein. Manuel und Carolin haben mir sehr geholfen, aber jetzt kenne ich Bogotá ein bisschen und kann meinen Tag freier gestalten.
  • Die Bogotá Bike Tour mitmachen
  • Nochmal im La Puerta de la Catedral und La Puerta Falsa essen, diesmal aber mit dem Wissen, was ich mir da bestelle
  • Im Entertainment-Restaurant Andres Carne de Res essen gehen. Wir sind nur dran vorbeigefahren und es sah schon echt abgefahren aus
  • Freitags zu den Geschichtenerzählern an der Plazoleta de Chorro de Quevedo gehen

Werbung, (unbeauftragt), da Ortsnennung

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