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Wanderung im Nationalpark Paklenica in Kroatien – ein unerwartetes Highlight

Heimlich still und leise liegt der Nationalpark Paklenica eigentlich gar nicht so fernab der Hauptrouten in Kroatien. Und doch ist dieses Juwel (noch) nicht so wirklich auf dem Radar der Reisenden angekommen. Unser Glück, denn wir fanden damit ein ziemlich unerwartetes Highlight unser Kroatien Rundreise. Kleiner Spoiler: Wenn man Berge und spektakuläre Landschaften liebt, will man hier gar nicht mehr weg. Ahja, und wenn man Klettern oder Winnetou mag, dann bestimmt auch nicht 😉

Wissenswertes zum Nationalpark Paklenica

Der Nationalpark Paklenica liegt etwas nordöstlich von Zadar gelegen bei Starigrad-Paklenica. Er erstreckt sich auf einem Gebiet von 95m2 im Velebit Gebirge und ist vor allem für seine Karstfelsen, Schluchten und Höhlen bekannt.

Die Hauptbesuchergruppe des Nationalpark Paklenica stellen wohl die Sportkletterer dar: die steilen Felswände locken Freikletterer und Boulderer aus ganz Europa an, die auf über 400 Kletterrouten in allen möglichen Schwierigkeitsstufen ihr Können unter Beweis stellen.

Nationalpark Paklenica

Neben den Kletterrouten gibt es aber noch ein Netz aus mehreren Wanderwegen. Die meisten Besucher wandern bis zu einer der bewirtschafteten Hütten (wie auch wir), es gibt aber auch Mehrtagestouren für ambitionierte Wanderer, die dann z.B. noch auf den Gipfel Vaganski vrh (1758m) hochwandern.

Aufgrund ihrer Ähnlichkeit zu den amerikanischen Canyons wurde die Umgebung außerdem als geeignete Kulisse für Der Schatz im Silbersee des Karl May Klassikers Winnetou aus den 70er Jahren erkannt . Die genauen Drehorte im Nationalpark sind durch kleine Holzschilder markiert, an denen immer wieder Menschen stehen bleiben und sich fotografieren lassen. Meist mit einem strahlenden Grinsen, da vermutlich gerade der ein oder andere Kindheitstraum in Erfüllung geht – genau da stehen, wo Winnetou langgeritten ist! 

Tickets und Preise

Wir haben für einen Tagespass (Stand Juli 2021) 20kn pro Person bezahlt, umgerechnet also etwas mehr als 2,50€ . Zudem haben wir den gleichen Preis für ein Parkticket für den ganzen Tag bezahlt. Es ist auch möglich, gleich Tickets für mehrere Tage zu kaufen, was sich bei einer Mehrtagestour natürlich anbietet.

Möchte man zusätzlich noch die Höhle Manita Pec besuchen, zahlt man nochmal 30kn pro Person extra. Das war für uns allerdings keine Option, da die Höhle nur wenige Stunden am Tag geöffnet hat, und wir waren einfach zur falschen Zeit da.

Weitere und aktuelle Infos zum Paklenica Nationalpark gibt es hier.

Beste Zeit für den Besuch

Der Nationalpark Paklenica im Velebit Gebirge ist kein Geheimtipp, wird aber meist nur am Rande aller anderen Sehenswürdigkeiten, die Kroatien zu bieten hat genannt. Das führte dazu, dass wir selbst in der Hauptsaison im Juli eine Wanderung durchführen konnten, auf der wir nur wenige Male anderen Menschen begegnet sind. Lediglich die ersten Meter bis zum Besuchereingang waren sehr gut besucht, was aber nicht zuletzt daran lag, dass hier die meisten Kletterrouten starten. Die Wanderungen hinauf zu den Hütten oder Höhlen nehmen dann doch weniger Menschen in Angriff.

Was die Hauptsaison im Sommer aber auch mit sich bringt ist die Hitze. Und die sollte definitiv nicht unterschätzt werden bei der Wanderung – ich weiß wovon ich rede, denn wir waren in der prallen Mittagshitze unterwegs. Also entweder früh loslaufen, oder aber man reist eben im Frühling oder Herbst. Im Herbst muss es bestimmt besonders schön sein, wenn die ganzen Blätter sich färben! Trotz der Hitze kann ich aber auch den Sommer empfehlen, da man durch die Bäche und Brunnen immer wieder Möglichkeiten zur Erfrischung hat.

Unsere Erfahrung im Nationalpark Paklenica

Im Vorfeld unserer Reise haben wir überlegt, ob wir auf der Strecke zwischen Zadar und Split noch irgendwo halten wollen. Ich als Bergkind brachte einfach mal den Nationalpark Paklenica ins Spiel, der scheinbar auch nicht sooo bekannt war. Zack, Planung stand. Da es ja nur ein Zwischenstopp sein sollte, bot sich die mit 3,5h angegebene Wanderung zur Berghütte Paklenica an:

Die Wanderung zur Berghütte Paklenica

Wir sind relativ spät dran, da wir uns morgens noch schweren Herzens von unserer wunderbaren Unterkunft im Nationalpark Plitvicer Seen verabschieden müssen. Ob dieses Erlebnis bei den Plitvicer Seen überhaupt noch getoppt werden kann, fragen wir uns auf unserem Weg nach Split? Naja, eigentlich stehen wir noch ganz am Anfang unserer Rundreise, da kommen bestimmt noch ein paar weitere tolle Spots! 

Wir fahren bis nach Starigrad Paklenica, wo der Eingang zum Park auch schon ausgeschildert ist. Schon die Straße dahin ist wunderschön und man kann im Hintergrund schon die hervorragenden Felsen erkennen, juhu!

Wir kommen zu einem Tickethäuschen, wo wir aussteigen, um unsere Tickets für den Park zu kaufen und nochmal auf Klo gehen. Dafür, dass wir schon relativ spät dran sind, ist gar nicht so viel los. Vielleicht liegt es daran, dass wir unter der Woche da sind, oder aber weil der Park grundsätzlich noch nicht so sehr auf dem Radar der Touristen angekommen ist. Wie auch immer, mit den Tickets in der Hand dürfen wir mit dem Auto noch ein Stück weiterfahren, bis wir irgendwann an einem Parkplatz unser Auto abstellen und loswandern.

Der erste Teil der Wanderung geht ganz flach durch die Schluchten entlang bis zum Besucherzentrum. Hier sieht man die vielen Kletterbegeisterten, die sich auf den unterschiedlichen Routen in die Felswände wagen – ein spektakuläres Bild, was uns immer wieder zum Anhalten  und zugucken zwingt. Aber auch die Aussicht von hier unten auf die imposanten Berge ist einfach nur toll.

Das Besucherzentrum lassen wir erstmal links liegen (im wahrsten Sinne des Wortes) und wandern direkt weiter geradeaus. Noch ist es mit 11 Uhr kurz vor der Mittagshitze, aber die kündigt sich schon gnadenlos an.

Der nächste Teil der Wanderung ab dem Besucherzentrum hat es in sich: es geht in Serpentinen aus der Schlucht nach oben, hier eine Kurve, da noch eine Stufe, alles sehr steinig und auch eigentlich mit moderater Steigung. Wir sind beide durchaus sportlich und können von uns behaupten, dass „diese paar Höhenmeter“ uns eigentlich nichts ausmachen. Aber ob uns die 21km Wanderung der Plitvicer Seen vom Vortag noch in den Beinen steckt oder ob die Mittagshitze doch schon heftiger ist als angenommen, irgendwie brauchen wir echt viele Stopps und Trinkpausen. 

In diesen Pausen können wir aber die Aussicht und die Natur bestaunen. Es ist einfach nur unfassbar schön und ich hätte so eine faszinierende Bergkulisse niemals erwartet! Immer wieder kommen wir an Informationstafeln oder Trinkstellen vorbei, an denen wir unsere Flaschen auffüllen oder einfach Arme und Gesicht im eiskalten Wasser duschen.
Ich schaffe es sogar, an einer Stelle mein Handy liegenzulassen, ohne es im Nachhinein zu vermissen. Erst als wir die Rufe anderer Wanderer hören, die uns fragen, ob wir ein Handy vermissen, fällt es mir auf und ich darf einige 100m nochmal zurücklaufen. Schon höre ich innerlich meine Mutter sagen: „Jaja, wer´s nicht im Kopf hat, der hat´s inne Beine!“ Oh ja.

Wir kommen zu einer Abzweigung, bei der es zur Höhle Manita Pec geht, die man mit einer Führung besichtigen kann. Leider ist diese nur ein paar Stunden am Vormittag geöffnet, sodass wir leider schon zu spät dran sind. Wenn man hier rein will, wäre das also etwas, was man im Vorfeld beachten sollte. 

Für uns geht es aber weiter bis zur Berghütte Paklenica, das dauert noch ein Stückchen. Zwischendrin haben wir immer wieder Passagen auf dem Weg, die total flach und schattig sind, wieder andere sehr steinig und direkt zwischen den Felsen entlang, und dann wieder welche, bei denen wir einfach nur auf einem leichten Weg die Aussicht genießen können. Diese verschiedenen Abschnitte machen die Wanderung so abwechslungsreich und schön. 

Irgendwann erreichen wir das Forsthaus Lugarnica, was wir aber erstmal nur passieren um zum eigentlichen Ziel zu kommen. Nach nochmal 30min erreichen wir dann unser Ziel, die urige Berghütte Paklenica. Hier essen wir unsere Bananen und Haferriegel, trinken Wasser und genehmigen uns eine Rast bei den bereitgestellten Picknickbänken und -tischen. Einige andere Besucher gönnen sich hier auch Bier und Schnaps, und zu einem kühlen Radler hätte ich wohl auch nicht Nein gesagt. Aber wir entscheiden uns, die Belohnung erst beim Besucherzentrum einzunehmen und starten nach unserer Rast wieder gen Besucherzentrum. 

Es handelt sich nicht um eine Rundwanderung, weshalb wir den gleichen Weg wieder zurückgehen. Das ist aber überhaupt nicht schlimm, da man ja aus einer ganz anderen Perspektive nochmal auf den Weg und die Umgebung schaut. Und irgendwie ist man dann auch viel entspannter, weil man die Strecke dann ja schon kennt.

Unten kommen wir wieder zum Besucherzentrum, aber einen Besuch dessen sparen wir uns. Hier gibt es viele Informationen über die Nutzung der Tunnelsysteme und Bunker der „unterirdischen Stadt Paklenica“, die in den 50er Jahren von der jugoslawischen Armee errichtet wurden. Wir gönnen uns hier einfach nur das lang ersehnte Radler und lassen die Wanderung nachwirken, während wir die Freikletterer um uns herum beobachten. 

Fazit zum Nationalpark Paklenica

Einfach genial! Wenn man auf Berge und Natur abfährt, ein absolutes Muss. Ich hätte diese Kulisse niemals erwartet und war deshalb einfach nur begeistert. Auch, weil es eben (noch) kein Besuchermagnet ist und man relativ ungestört wandern kann – Stand Juli 2021, wochentags.

Anders als im Nationalpark Plitvicer Seen, der uns am Tag zuvor schon völlig begeistert hatte, liegt hier der Fokus des Staunens nicht auf dem Wasser (obwohl es auch hier einen Fluss und kleine Bäche gibt), sondern auf den Steinen, Felsformationen und Bergen. Diese steilen Felswände und Schluchten, durch die man läuft sind einfach atemberaubend. 

Meine Strava Aufzeichnung der Wanderung Paklenica (kleinere Pausen und Fotostops sind mitgerechnet):

Ich habe im Vorfeld mehrere Male gelesen, dass die Tour zur Berghütte moderat ist und nicht schwer. Schwer ist sie auch nicht, anstrengend aber schon. Dazu muss man aber auch sagen, dass wir die Wanderung als einen Zwischenstopp eingeplant hatten, und deshalb vergleichsweise schlecht vorbereitet waren. Nicht, dass man für diese Tour krasses Equipment bräuchte, aber wir sind zur Mittagszeit gekommen, hatten eine 21km Wanderung vom Vortag in den Beinen und nur einige wenige Snacks mit. Ich denke, im ausgeruhten Zustand und bei etwas früherer Besuchszeit sieht das alles schon ganz anders aus 😉

*Werbung (unbezahlt), da Orts-/Namensnennung

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