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Oviedo – Asturien

Spanien ist nicht nur Paella, Flamenco und Hitze. Spanien ist auch Dudelsack, Berge und Apfelwein. Und wenn das zutrifft, dann ist man sehr wahrscheinlich in Asturien mit der Hauptstadt Oviedo in Nordspanien gelandet! 🙂

Ehrlichgesagt war ich am Anfang etwas enttäuscht als mir mitgeteilt wurde, dass ich für mein Auslandssemester ein Stipendium bekommen sollte, das nur in Oviedo möglich ist. Ich wollte doch so unbedingt nach Granada, Madrid oder Sevilla – Sonne, Flamenco und eben das ganz typische Spanien! Aber dieses Stipendium ablehnen – neee, kannste auch nicht machen. Aber Oviedo, wo soll das überhaupt sein?! Nordspanien, Asturien, verrät mir Google. Ebenso, dass es scheinbar die sauberste Stadt Spaniens sei. Es regnet viel. Man ist aber nah am Meer. Der Jakobsweg führt hier lang. Und die Berge sind auch nicht weit. Ach komm, was solls, dachte ich, wird bestimmt auch gut.


Und wie es das wurde! Asturien mit der Hauptstadt Oviedo haben sich ganz tief in mein Herz gebohrt. Und deshalb ist es mir immer wieder unerklärlich, warum ich fast immer in ratlose Gesichter blicke, wenn ich Oviedo und Asturien erwähne. Ein „hab ich schonmal gehört“ war bis jetzt das Höchste der Gefühle. Wenn ich dann aber nach Vicky Cristina Barcelona, dem Film von Woody Allen frage, dann sieht das schon ganz anders aus.

Woody Allen und Oviedo

Während der Dreharbeiten zum Film Vicky Cristina Barcelona hat sich Woody Allen in diese Stadt verliebt. Oviedo ist vor Stolz aus allen Nähten geplatzt und hat als Zeichen der Dankbarkeit den Regisseur in Form einer Bronzestatue verewigt und gleich seine Worte mit abgedruckt:

Oviedo is a delicious, exotic, beautiful, clean, lovely, tranquil and pedestrianized city. It’s like it doesn’t belong to this world…as if it did not exist. Oviedo is like a fairytale.

Aber nicht nur Woody hat es als Skulptur in die Stadt geschafft. Oviedo gleicht schon fast einem Freilicht-Museum was die Skulpturen und Statuen betrifft. Überall sieht man mehr oder weniger bekannte Bronzestatuen, sehr bekannt ist zum Beispiel der Riesenpopo „Culis Monumentalibus“, oder direkt gegenüber „La Gorda“, die Dicke.

Und wenn Mr. Allen sagt, Oviedo sei so sauber, dann meint er wohl eher blitzblank. Hier werden die Straßen geputzt, und zwar jede Nacht extrem gründlich. Selbst am Morgen nach dem Stadtfest San Mateo lässt nichts mehr darauf schließen, dass am Abend vorher die gesamte Stadt eskaliert ist, so rein sind die Straßen wieder.

Die Kathedrale und die Altstadt

Ganz oben auf der Agenda eines jeden Oviedo Besuchers sollte die Kathedrale San Salvador stehen. Die ist nämlich nicht nur hübsch, sondern auch wichtig. Und zwar nicht nur als been here done that Checklisten Punkt, sondern Sie ist ein wichtiger Stopp für alle, die den Jakobsweg laufen. Hier befinden sich u.a. einige wichtige Reliquien wie das Siegeskreuz, unter dem den Spanier zu Beginn der Reconquista der erste Sieg über die Mauren gelang. Abgesehen davon ist man den Jakobsweg aber auch nicht ganz gegangen, wenn man keinen Zwischenstopp in der Kathedrale von Oviedo eingelegt hat, was folgender Spruch verdeutlicht:

Quien va a Santiago y no al Salvador, visita el criado y no al Señor.

Vor der Kathedrale steht man dann auch schon super, um die weitere Altstadt zu erkunden. Das Gute an Oviedo ist: man kann alles ganz easy peasy zu Fuß erreichen. Wenn man dazu in der Lage ist, sollte man das auch tun, denn es ist eigentlich schon ein Highlight einfach durch die schönen Gassen zu irren. Irgendwann kommt man dann auch automatisch zur Plaza de la Constitución mit dem Rathaus und der Kirche San Isidoro. Für ein bisschen Orientierung stellt die Stadt auch einen sehr übersichtlichen Stadtplan mit den wichtigsten Sehenswürdigkeiten zur Verfügung.

Auch die bunte Plaza El Fontán mit dem zugehörigen Markt, sowie die Plaza de Trascorrales werden bestimmt auch ganz automatisch Teil einer Altstadt-Runde. Jedenfalls hab ich es immer geschafft, ohne Karte und mit noch weniger Orientierung alle Plätze wiederzufinden, indem ich einfach drauflosgegangen bin. Aber die Fotos dazu habe ich scheinbar verloren.

Auf dem Monte Naranco: Oviedo von oben

Ein halber Tag sollte definitiv mit einer Wanderung (alternativ kann man auch mit dem Auto hochfahren) zum Monte Naranco verplant sein. Das ist quasi der „Hausberg“ von Oviedo, auf dem – wie in Rio – eine Cristo Statue steht. Von hier oben hat man einen überragenden Blick über die Stadt und auf die dahinterliegenden Gipfel der Picos de Europa.

Außerdem kommt man unterwegs an einigen bedeutenden präromanischen Gebäuden aus dem 9. Jahrhundert vorbei, Santa Maria del Naranco und San Miguel de Lillo. Die kann man auch jeweils von innen besuchen, aber ich hab wohl dauernd die Öffnungszeiten verpasst, weshalb mir die Innenansicht bis jetzt verwehrt blieb.

Essen und Trinken

Das Wichtigste vorab: SIDRA! In Nordspanien muss man den Apfelwein Sidra trinken, da führt kein Weg dran vorbei. Und sei es nur zum Probieren oder um einmal den besonderen „Trink-Ablauf“ mitgemacht zu haben. Und so geht´s:

  1. Bestell dir einen Sidra (meist bekommt man sowieso die ganze Flasche).
  2. Wenn du dich blamieren willst (oder aber deine Skills präsentieren willst) schenk dir selbst ein.
  3. Lass Punkt 2 sein, wenn du den Sidra von den Profis serviert haben möchtest. Jedes Mal wenn du wieder ein bisschen Sidra haben willst, sag ihnen Bescheid und sie schenken dir einen Schluck ein.
  4. Ja, nur ein Schluck, denn der wird auf eine besondere Art und Weise eingeschenkt (s. Bild unten). Das ist wichtig für den Geschmack.
  5. Gönn dir den Sidra. Lass ihn aber nicht ewig stehen, sondern beeil dich ein kleines bisschen.
  6. Den letzten kleinen Spritzer in deinem Glas kannst du auf den Boden kippen. Machen alle, keine Sorge.

Punkt 6 ist auch der Grund dafür, warum es in den Sidrerias so nass auf dem Boden ist. Die Sidrerias findet man fast überall, in Oviedo ist da besonders die Calle Gascona, auch als Bulevard de la Sidra bekannt.

Wenn der kleine Hunger kommt, dann kannst du dir direkt ein Menu del Día bestellen. Denn in der Regel gibt es bei jedem Tagesmenü zur Vorspeise eine Fabada, einen typisch asturianischen Bohneneintopf. Danach ist man eigentlich schon satt, aber irgendwie passt der Rest dann doch immer noch rein. Fabada und Sidra gehören aber einfach dazu. 😉

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