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Wie man im Nationalpark Plitvicer Seen die Touristenmassen umgehen kann

Der Nationalpark Plitvicer Seen ist der vielleicht schönste Nationalpark Kroatiens. Leider auch der bekannteste: jährlich zählen die Plitvicer Seen mehr als 1 Millionen Besucher, weshalb ich nicht sonderlich erpicht darauf war, die Plitvicer Seen unbedingt zu besuchen. Also, einfach ignorieren? Gut, dass ich doch noch den Ratschlägen gefolgt bin und einen Abstecher zu den Plitvicer Seen gemacht habe. Wenn man den Menschenmassen einigermaßen entkommt – und das ist definitiv möglich – erlebt man eine der schönsten Seenlandschaften der Welt.

Wir waren im Rahmen unserer zweiwöchigen Tour durch Kroatien für 2 Nächte im Nationalpark Plitvicer Seen, wobei wir nur ein Tagesticket für den Park hatten (reicht auch). Vorher waren wir in Zadar, und sind dann (mit einem kleinem Abstecher über den Zrmanja Canyon) direkt zu unserer Unterkunft in Plitvica Selo gefahren.

Dass wir so einen tollen Aufenthalt bei den Plitvicer Seen hatten, verdanken wir wohl nicht zuletzt unserer Unterkunft in Plitvica Selo, dem kleinen Öko-Dorf nördlich der Seen. Hier haben wir die besten Tipps bekommen, wie wir die Plitvicer Seen eben anders als alle anderen besuchen, und zum Großteil antizyklisch durch den Nationalpark laufen.

Der Nationalpark Plitvicer Seen – allgemeine Informationen

Der Nationalpark Plitvicka Jezera, wie er auf kroatisch heißt, ist 1949 zum ersten Nationalpark Kroatiens ernannt worden. Damals hatten die Kroaten eigentlich ganz andere Probleme, aber scheinbar wusste man trotz allem die Schönheit der Natur zu schätzen und zu schützen. 1979 folgte die Aufnahme in die Liste der Weltnaturerbe der UNESCO. Einige Jahre vorher wurde die Kulisse als optimaler Drehort für die Winnetou Filme von Karl May ausgemacht (neben einigen weiteren Orten Kroatiens) und ist spätestens seitdem auf dem Radar der Reisenden. 

Insgesamt 16 Seen sind über Wasserfälle, Höhlen und Flüsse miteinander verbunden und bilden diese einzigartig schöne Seenlandschaft, dessen Wasser durch den hohen Kalkgehalt so schön türkis-blau schimmert.

Im Sommer ist hier Hauptsaison und man muss mit vielen Menschen rechnen. Dass es aber trotzdem gut gehen kann, haben wir selbst erfahren dürfen 😉 Im Herbst muss es hier auch wunderschön sein, wenn sich die Blätter färben und es nicht mehr ganz so heiß ist. Im Winter ist am wenigsten los, aber die Bilder die ich gesehen habe von zu Eisfällen gefrorenen Wasserfällen, zugefrorenen Seen und verschneiten Landschaften sahen auch echt toll aus. 

Eintritt, Verpflegung und Nützliches

Der Eintritt zum Nationalpark Plitvicer Seen kostete uns mit Studententarif 17 € und das Ticket war den ganzen Tag gültig. Man kann auch direkt ein 2-Tages-Ticket kaufen, oder aber vor Ort sein Ticket verlängern. Die Tickets sind gleichzeitig die Fahrkarten für die Fähren und Busse, die im Park verkehren. 

Es gibt verschiedene Routen durch den Park, die in der Länge der Zeit variieren. Einige Rundgänge dauern nur 2h, während andere 6h dauern. Je nach Länge sind eben Bus- oder Bootsfahrten eingebaut. Wir haben aber keine der vorgeschlagenen Routen gemacht!

An allen Anlegestellen, Bushaltestellen und größeren Plätzen findet man Imbissstände, die im Sommer natürlich alle geöffnet haben. An den Eingängen 1 und 2 findet man auch richtige Cafés und Restaurants aber es ist definitiv von Vorteil, sich selbst etwas mitzubringen, denn es gibt überall Picknickplätze oder schöne Orte, wo man mal eben verweilen kann. Wir haben uns mit reichlich Wasser, Sonnencreme (!), Snacks und Kamera bewaffnet, bevor wir losgewandert sind. Zudem hatten wir bequeme Sportschuhe an, mit denen wir lange laufen konnten. Wir haben einige wenige Personen mit Kinderwagen gesehen. Bei all den Holzplanken, Waldwegen und Treppen ist das aber mit Sicherheit kein Vergnügen!

Tickets und weitere Informationen erhält man auf der offiziellen Seite des Nationalparks.

Wichtig: man kann hier nicht schwimmen! Das ist absolut verboten. Und auch im Krka Nationalpark kann man entgegen vieler Informationen nicht schwimmen. Man konnte es bis 2021, das ist aber jetzt nicht mehr so. Dies nur zur Info, sollte der Krka Nationalpark den Plitvicer Seen vorgezogen werden, nur weil man hier schwimmen könnte.

Unsere Unterkunft in Plitvica Selo – absolute Empfehlung!

Spät abends suchen wir unsere Unterkunft – mein Abstecher zum Zrmanja Canyon hat uns leider doch mehr Zeit gekostet als ursprünglich angenommen. Spät im Dunkeln fahren wir vorbei an den Eingangstoren 1 und 2 und haben schon Bilder der Menschenmengen an den Ticketschaltern vor den Augen. Der Plan war, extrem früh loszulaufen, um wenigstens ein bisschen Ruhe zu haben, bevor die Massen kommen. Deshalb hatte ich im Vorfeld bereits Tickets mit der frühesten Eintrittszeit um 7 Uhr morgens erworben. Dass mein Herzensmensch davon nur so mäßig begeistert war, hatte ich geahnt und bin danach extra lieb gewesen. 

Zunächst aber geht es im Dunkeln an den Seen vorbei, von der Straße kann man aber noch gar nichts erkennen – es ist ja sowieso dunkel. Unsere Unterkunft liegt nördlich der Plitvicer Seen in Plitvica Selo, einer kleinen Ortschaft, in der es hauptsächlich Ferienunterkünfte und Hotels gibt. 

Dass wir irgendwann nur noch alle paar Male ein Häuschen sehen, durch ganz viel Wald fahren und einfach niemand unterwegs ist zeigt uns, dass wir wahrlich nicht in einer Touristenhochburg gelandet sind. Irgendwann erreichen wir auch unsere Unterkunft, die gerade die erste Saison geöffnet hat. Hier steht schon der Inhaber auf dem Parkplatz und erwartet uns. Er nimmt meinen Koffer und führt uns zur Rezeption, bevor er uns in unser Zimmer führt. In die Zimmer haben wir uns direkt verliebt. So modern, gemütlich und liebevoll eingerichtet, dass ich am liebsten direkt ins Bett fallen würde. Es ist wunderschön!

Hier gelangst du direkt zu der Unterkunft bei booking.com!

Dann erwähnt er die Frühstückszeiten, die wir aber zunächst abwinken – remember, ich hatte Tickets für 7 Uhr reserviert. „Egal!“ sagt er, „Ihr befindet euch hier schon im Nationalpark! Das gehört alles dazu – ihr könnt also loslaufen, wann ihr wollt. Irgendwann kommt ihr an Nationalpark-Rangern vorbei, die euch nach Tickets fragen – dort zeigt ihr sie dann.“

Er empfiehlt uns daraufhin auch, welche Aussichtspunkte wir zuerst besichtigen sollten, da sie in der Nähe unserer Unterkunft liegen. Die Route, die sich dadurch ergeben hat, hat sich im Nachhinein als perfekt herausgestellt:

Den Massen entkommen: unsere Route durch den Park mit Zeitangaben

Believe it or not, aber wir hatten tatsächlich einige Aussichtspunkte für uns alleine. Nur. Wir. Zwei. Und das bei den Plitvicer Seen! 
Warum wir so allein waren? Na, weil jeder eben an den Eingängen 1 und 2 startet und die dort vorgeschlagenen Routen abläuft! Wir hätten es genauso gemacht, hätten wir nicht die besten Tipps von unserer Unterkunft bekommen. Die Hinweise beziehen sich vor allem auf folgendes Foto der Karte, mit der wir durch den Park gelaufen sind und die dementsprechend mitgenommen aussieht. (Ich habe den Ort unserer Unterkunft mal eingekreist).  

Dank unserer Unterkunft befinden wir uns also schon im Park und wurden am Abend zuvor mit Kartenmaterial und den wertvollsten Tipps ausgestattet. Wir machen uns um 8.00 Uhr auf den Weg. Zunächst geht es an der Straße entlang, bis wir dann einen Zugang ins Grüne finden und um circa 8.15 Uhr beim Viewpoint 4 ankommen. 

Wir können unseren eigenen Augen nicht trauen, als wir realisieren, dass wir uns plötzlich alleine an einem der beliebtesten Aussichtspunkte befinden. Alleine! Mein Herz hüpft wie verrückt und ich bin unfassbar aufgeregt – sowas hätte ich nie im Leben für möglich gehalten! Wir machen ganz viele Fotos, genießen den wunderbaren Ausblick und freuen uns ein Loch in den Bauch.

Dann geht es weiter auf dem Weg im Wald entlang der Klippen (mit Zäunen gesichert), bis wir zu Viewpoint 5 kommen. Auch hier sind wir wieder komplett alleine. Die Ruhe gepaart mit der frischen Morgenluft machen auch diese Aussicht perfekt. Wir können die Stege in den Seen unten erkennen und sehen, dass sich auch hier noch nicht so viele Touristen befinden. Vermutlich lohnt es sich also auch, wirklich als erster am Ticketschalter zu stehen, wenn man den Eingang über die Tore 1 oder 2 wählt.

Ebenfalls alleine befinden wir uns am Viewpoint 6 vor der Attraktion des Veliki Slap, dem mit über 70m höchsten der Wasserfälle und i.d.R. Abschluss der an den Haupteingängen vorgeschlagenen Routen (und damit stark besucht, wie wir nachher auch von unten aus sehen konnten). 

Wir gehen wieder in Richtung Viewpoint 5 und finden eine Treppe, die wir hinablaufen. Ehrlichgesagt weiß ich nicht mehr, wo genau diese Treppe war. Aber für uns war es ziemlich eindeutig, dass wir diese Treppe nehmen müssen. Uns kommt aber keiner entgegen – komisch, geht es doch hier nach oben zu den tollen Aussichtspunkten, denken wir. Weshalb uns keiner entgegenkommt erklärt uns das „Aufstieg verboten“ Schild, als wir unten ankommen. Ups, aber oben war tatsächlich kein Schild und auch keine Abgrenzung. Peinlich berührt versuchen wir auf den letzten Stufen nicht gesehen zu werden und stehen dann unten vor den Wasserfällen, mit schon ein paar mehr Personen.

Wir laufen entlang der Stege und unten an den Wasserfällen den Weg entlang, den wir vorher oben entlanggelaufen sind – mittlerweile nicht mehr ganz so alleine. Wir haben aber noch genug Zeit stehenzubleiben, Fotos zu machen und diese wunderschöne Landschaft zu genießen, ohne dass man sich gestresst fühlt. Das Wasser ist so schön klar und die Holzstege passen auch irgendwie richtig gut in diese Landschaft.

Wir gelangen so gegen 10 Uhr bei der Anlegestelle P3 an (auf der Karte etwas oberhalb von Viewpoint 4, leider nicht mehr ganz so gut zu sehen), von wo aus eine Fähre startet, die im Ticket mit inbegriffen ist. Hier finden wir einen großen Picknick Platz mit einigen Imbissständen und Toiletten. Wir nutzen die Zeit, um eine Pause einzulegen, auf Klo zu gehen und unsere Wasservorräte aufzufüllen. Mittlerweile ist es nämlich auch echt schon warm. Wir werfen einen Blick auf die Karte und entscheiden uns, nicht mit der Fähre zu fahren, sondern den Weg am nördlichen Ufer des Jezero Kozjak zu nehmen und so zu den anderen Attraktionen zu kommen.

Wer nicht viel laufen will, der sollte das nicht machen, denn der Weg ist tatsächlich gut lang. Allerdings entscheiden sich viele gegen diesen Wanderweg, weshalb wir hier wieder ziemlich ungestört sind. Hier sehen wir zwar keine Wasserfälle, dafür laufen wir aber die ganze Zeit am See entlang, in schöner Natur und wir sehen sogar kleine Schlangen!

Wir laufen etwas mehr als 1 Stunde, bis wir bei Viewpoint 3 ankommen. Und hier ist es mega voll. Richtig genießen können wir den Ausblick nicht, da ständig irgendwo jemand Fotos schießen will und den besten Platz ergattern will. Man selbst muss auch schauen, dass man irgendwie sein Bild bekommt, aber ehrlicherweise wollen wir nur schnell weg hier. Da waren die anderen Aussichtspunkte besser, ruhiger.

Uns fällt auf, dass einige Menschen weiterlaufen, im Gehen ein Handyfoto schießen und nicht einmal stehenbleiben, um sich die Schönheit der Wasserfälle anzuschauen. Wie schade, dass die Leute ihre Reise nur noch an Fotos messen und keine Eindrücke mehr wirklich genießen. Wir sehen viele geführte Touren und ich bin doch ziemlich gestresst durch die vielen Menschen.

Wir laufen noch weiter entlang wunderschöner Waldwege, kleinerer und größerer Seen und Wasserfälle, bis zu St3, wo wir eine weitere Pause machen und dann mit dem Bus zurückfahren wollen Richtung Eingang 2, von wo aus wir dann langsam in Richtung zuhause wollen. 

Blöd für uns, dass heute aber aufgrund von Straßenschäden der Bus nicht fährt. Diese Information wurde aber wohl nicht bis an die Eingänge weitergegeben, sodass wir mit vielen anderen Menschen dort stehen und eine überforderte Parkmitarbeiterin für Aufklärung sorgen muss. Wir haben schon einige Kilometer in den Beinen, zumal wir ja von P3 zu Viewpoint 3 gelaufen sind, weshalb wir auch etwas genervt sind, das Stück bis Eingang 2 jetzt auch noch laufen zu müssen.

Aber gut, hilft ja nichts. Auf die organisierten Shuttle Services wollen wir nicht warten, da nicht absehbar ist, wann sie kommen. Also laufen wir los, entlang der Straße, sehr unspektakulär. Aber Zeit genug, um in Ruhe zu quatschen, die vielen Eindrücke zu verarbeiten und Späße zu machen. Irgendwann schaffen wir es zu Eingang 2, und hier ist richtig Trubel. Hier ist alles für die Touristen gemacht: Restaurants, Infotafeln, Hotels, Bootsverleih, Fotostation,… Außerdem mussten wir hier nun unser Ticket vorzeigen, vorher sind wir keinem Ranger begegnet, der unsere Tickets sehen wollte.

Wir suchen uns einen ruhigen Spot auf einer Wiese um noch die letzten Snacks zu essen und um dann weiterzulaufen Richtung Unterkunft. Hier nehmen wir den Weg entlang des Ufers bis zu den Stegen, die uns knapp unterhalb von P3 rausbringen. Von hier aus können wir dann ganz entspannt wieder zu unserer Unterkunft laufen, wo wir gegen 16.30 Uhr ankommen.

Fazit zu unserer Tour um die Plitvicer Seen

Top, direkt wieder und zwar genauso! Wir waren absolut glücklich mit unserer Entscheidung, keine Fähre zu nehmen und auch die lange Runde zu laufen. Natürlich waren wir ziemlich müde, und den Weg von St3 zu Eingang 2 hätten wir uns auch gerne gespart. Aber so haben wir unsere Portion Sport definitiv erledigt und hatten uns das deftige Abendessen wirklich verdient!😉

Wir waren mit unserer Tour nicht bei Eingang 1 und haben deshalb auch nicht Viewpoint 2 gesehen. Das hätten wir natürlich auch noch machen können – wir haben auch drüber nachgedacht – uns aber bewusst dagegen entschieden. Wir waren schon total glücklich mit allem, was wir gesehen hatten und waren genug gewandert, um noch einen überfüllten Aussichtspunkt zu wandern.

Am nächsten Morgen, als wir losgefahren sind zum Paklenica Gebirge, haben wir nochmal das Auto abgestellt um ein letztes Ma lganz allein und ungestört Viewpoint 4 anzuschauen – unser persönlicher Abschied vom Nationalpark Plitvicer Seen! 🙂

*Werbung (unbezahlt), da Orts-/Namensnennung

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