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Garda Trentino – Natur und Erholung am Gardasee

„Oh, der Gardasee ist sooo schön, warst du schon da?“
– Nee, noch nicht.
„Da musst du unbedingt mal hin!“
– Jaaaa, irgendwann Mal, sage ich nett lächelnd und denke mir: Aber vorher noch dies, und das…

HALT STOP sagt plötzlich Oktober 2021. Die Herbstferien stehen ganz plötzlich wieder vor der Tür und so richtig weit weg will man dank Corona immer noch nicht reisen, aber ein kleiner Tapetenwechsel wäre schon schön. Also geht es dank günstiger Flüge erst nach Mailand und im Anschluss für 3 Tage an den Gardasee und die Region Garda Trentino!

Wir haben uns die komplette Nord-, West und Südküste angeschaut und ich muss gestehen: ich habe mit dem Gardasee vor allem Rentnerurlaub verbunden. Deutsche Stammkunden, die jahrelang schon in ein und dieselbe Unterkunft am Gardasee fahren. Wenig Action, dafür Seeidylle und Dolce Vita, in dem man aber keine Mühen aufwenden muss italienisch zu sprechen, es versteht hier ja jeder deutsch. Der Klischee-Tourist eben.

So ganz richtig lag ich damit nicht! Ein bisschen vielleicht, denn die oben beschriebenen Menschen wird man definitiv antreffen. Aber genauso wird man auf Familien, Aktivurlauber, junge Paare oder Van-Reisende und Camper treffen. Der Gardasee bietet für alle etwas, das konnten wir sogar in der Kürze der Zeit erleben 🙂

Natürlich – wie auch anders möglich – hat mir der Norden mit seinen Bergen extrem gut gefallen. Deshalb ist hier vor allem über den Norden geschrieben: der Region Garda Trentino.

Unterwegs am Gardasee

Dass der Weg das Ziel ist, sieht man am Gardasee vor allem auf der Strecke von Salò bis Riva auf der Gardesana Occidentale, auf der Karte namentlich SS45bis. Hier ist sogar schon James Bond in Ein Quantum Trost mit seinem Aston Martin langedüst, aber ich schätze er hatte weniger Zeit die tollen Ausblicke auf den See und die schöne, in den Fels gehauene Straße zu genießen. Ich muss unweigerlich an meinen motorradbegeisterten Papa denken, der bei einer sich so schön zwischen Felsen und See entlang schlängelnden Straße bestimmt auch Spaß hätte.

Wenn man durch die Tunnel fährt verraten die Kratzspuren an den Wänden, dass sich hier wohl oftmals auch Wohnmobile entgegengekommen – leichte Verluste gibt’s immer 😉 Wir waren allerdings mit unserem geliehenen Fiat 500 (was auch sonst) unterwegs und kamen den Wänden zum Glück nicht ganz so nah 😉

Auch mit dem Fahrrad oder zu Fuß kann man einen Teil der Strecke zurücklegen; auf der Ciclopedonale sehen wir viele Menschen, die den Ausblick von der für Radler oder Fußgänger erstellten Brücke genießen und die zahlreichen Fotomotive einfangen.

Natur im Norden – Garda Trentino

Wenn ich die Wahl zwischen Bergen und Meer habe, dann würde ich doch immer zu den Bergen tendieren. Wenn ich beides haben kann, noch besser. Gut, der Gardasee ist jetzt kein Meer, aber im Hinblick auf die damit verbundenen Aktivitäten schon sehr vergleichbar. 

Und je nördlicher man sich am See befindet, desto näher kommt man den Alpen – und das zeigt sich auch im Panorama. Während es bei Sirmione im Süden komplett flach ist, zeigt sich bei Riva, in der Region Garda Trentino im Norden gelegen, eine ganz andere Kulisse: Berge, die majestätisch hinter den Straßen von Riva hinaufragen und sich im See widerspiegeln, während man weiterhin das Dolce Vita Italiens genießen kann. Das mediterrane Klima, ein leckeres Eis aus einer der vielen gelaterias oder ein Aperol Spritz vor einer malerischen Landschaft… was will man mehr?

Zudem kommt man als Aktivurlauber im Norden voll auf seine Kosten: Wandern, Mountainbiken, SUP, Windsurfen, Klettern oder Segeln, alles ist möglich und der beste Ausgangspunkt ist: 

Riva

Die Stadt am nördlichen Ende des Gardasees ist recht groß und ein super Ausgangspunkt für allerlei Vorhaben am Gardasee. 

Wir sind erstmal durch die Altstadt gelaufen, bevor wir an der Uferpromenade das Panorama des Sees genießen (O-Tone: „So stelle ich mir einen Kurort vor!“) und neidisch auf die Leute mit SUP blicken. Wir haben heute aber keine Zeit für Wassersport, denn unser Tag ist ziemlich durchgetaktet. Da wir nur diesen einen Tag hier im Norden des Gardasees haben, wollen wir die Umgebung im Hinterland ausgiebig erkunden – den See haben wir ja auch im Süden. 

In der Altstadt Rivas gibt es viele Souvenirläden, aber auch viele lokale Händler bieten ihre Produkte an – seien es handgefertigte Holzprodukte oder Pasta in allerlei Farben und Formen. Hier hätte ich gerne ein bisschen geshoppt, aber der Gedanke an „nur Handgepäck im Flieger“ hält mich davon ab.

Mich zieht es natürlich in die Natur, also ab ins Hinterland vom Gardasee. Hier erwarten einen alte Bergdörfer, Weinhänge, Bergseen und Wasserfälle. Wir haben alle folgenden Aktivitäten in Garda Trentino an nur einem Tag erlebt. Es ist die perfekte Kombination und definitiv nicht stressig, auch wenn es erstmal viel erscheint. Natürlich hätte ich gerne noch weitere Wanderungen unternommen, aber wenn man nur wenig Zeit hat, muss man sich eben beschränken – und unsere Auswahl hat sich auf jeden Fall bewährt!

Cascata di Varone

Unser erster Stopp nach Riva ist der 3km entfernte Varone Wasserfall. Wir parken mit noch 2-3 anderen Autos auf einem riesigen Parkplatz, der uns die Menschenmassen der Hauptsaison erahnen lässt. 6€ müssen wir am Eingang zahlen und dürfen dann durch schön hergerichtete (japanische) Gärten laufen, mit Schildern zu den jeweiligen Pflanzen und einer vorgegebenen Route, die zu zwei Grotten führt, in denen der Wasserfall hinab rauscht. 

Schon in der unteren Grotte werde ich leicht besprenkelt, spätestens in der oberen Grotte bin ich klitschnass. Ich habe nämlich versucht noch Fotos zu machen, was eine bescheidene Idee war, denn meine Kamera ist natürlich auch innerhalb kürzester Zeit komplett nass. Mein Herzensmensch schafft es deutlich trockener zu bleiben und empfängt mich draußen nur mit einem lachenden Kopfschütteln.

Der Wasserfall ist schön und imposant, keine Frage. Aber tatsächlich ist hier nichts mehr von Ursprünglichkeit zu spüren. Mit dem vorgegebenen Weg, den piekfein hergerichteten Gärten und Sitzgelegenheiten, dem Lichtspiel innerhalb der Grotten und der aufgelegten Hintergrundmusik merkt man schnell, dass aus dem Naturspektakel ein Touristenspektakel gemacht wurde. Nett auf jeden Fall, aber bei knapper Kasse, wenig Zeit oder anderen Plänen meiner Meinung nach kein Muss.

Lago di Tenno und Canale di Borgo Medievale 

Weiter geht’s ins kleine Örtchen Tenno, was zwar richtig urig aussieht, aber auch wie ausgestorben ist. Hier ist niemand! Wir fragen uns schon, ob irgendwas passiert ist, dass wir wirklich keiner Menschenseele begegnen. Ich mag es ja ruhig, aber niiiemand ist dann doch wieder komisch. Wir laufen ein bisschen durch die Gassen und schauen entzückt (ich jedenfalls) auf die alten landwirtschaftlichen Geräte die noch an den Hauswänden lehnen.

Von hier geht’s zum Lago di Tenno, einem Bergsee, in dem man sogar Baden kann! Das sparen wir uns im Oktober ehrlichgesagt, aber einige Mutige sehen wir, die sich ins a**kalte Nass wagen. Der See ist idyllisch zwischen Bergen und Wald gelegen und leuchtet in einem wunderschönen Türkis. Wir machen eine Wanderung um den Tennosee – viel ist nicht los, da es etwas wolkig ist – der Nebel macht die gesamte Kulisse in unseren Augen aber noch spektakulärer.

Vom Tennosee läuft man nur 20 Minuten zum Örtchen Borgo Medievale di Canale. Hier hat wohl jemand im Mittelalter gesagt: Stopp, wir bleiben, wie wir sind. Und so hat das Bergdorf seinen mittelalterlichen Charme bewahrt und gehört – laut eigener Aussage – zu den schönsten Dörfern Italiens.

Auch dieses Örtchen finden wir fast schon verlassen vor, nur noch einige wenige Besucher ziehen mit uns durch die engen, holprigen Gassen mit Häusern aus Bruchstein und ihren hölzernen Balkonen, auf denen Blumen, Wäsche oder Maiskolben trocknen. Wenige Tage vor unserem Besuch hatte noch ein Restaurant namens Locanda del Borgo geöffnet, was aber zur Nebensaison geschlossen hat. Das hätten wir gerne noch erlebt: einen Espresso auf dem schnuckeligen „Hauptplatz“ von Canale zu genießen!

Essen in Riva

Nachdem wir an nur einem Tag Riva, den Varone Wasserfall, Tenno, den Tennosee und Canale besichtigt haben sind wir natürlich hungrig. Und bevor wir uns auf den Rückweg zu unserer Unterkunft machen, entscheiden wir uns für ein Essen im Ristorante Leon d´Oro. Eigentlich nur eine zufällige Wahl, die aber ein echter Glücksgriff ist. Anders als geplant bestellen wir hier sogar mehrere Gänge, weil es einfach so unfassbar lecker ist!

Obwohl wir extrem voll sind und auch schon einen Nachtisch bestellt haben, muss zum Abschluss noch ein Eis aus der Gelateria Flora herhalten, bevor es dann zurück zu unserer Unterkunft geht.

Erholung im Süden – Sirmione 

Sirmione liegt auf einer ganz schmalen Halbinsel, die in den Gardasee ragt. Da man in der Altstadt kein Auto fahren kann, zeigt sich vorher schon, wie man sein Auto parken kann….

Wenn man die Altstadt Sirmiones über die Fußgängerbrücke betritt, sieht man schon die mächtige Castello Scaligero, eine Wasserburg, deren Türme das Bild der Altstadt prägen.

Diese Burg kann man auch besichtigen und hochsteigen, was wir allerdings nicht gemacht haben. 

Wir gehen durch die Stadt, begutachten die steinernen Gassen, blumenbewachsenen Häuser und das italienische Flair, das in den Straßen mitschwingt. Okay, fairerweise muss man auch sagen, dass ordentlich Touristenflair mitschwingt – wir waren zwar im Oktober und somit in der Nebensaison da, es war kein perfektes Wetter und dennoch waren wirklich viele Menschen hier. Die kleinen Gassen sind natürlich auch schnell voll – ich kann mir vorstellen, dass es in der Hochsaison alles andere als entspannt ist. 

Wir hatten uns aber sowieso entschieden, den etwas bewölkten Tag in der Aquaria Therme zu verbringen. Sirmione ist nämlich für seine Thermalquellen bekannt und Aquaria ist die wohl bekannteste Therme. Der Eintritt ist zwar nicht gerade billig, aber für einen ganzen Tag Wellness, Sauna und Entspannung mit einem einzigartigen Blick auf den Gardasee ist der Preis schon wieder absolut gerechtfertigt. 

Erfrischt und tiefenentspannt machen wir nach dem Besuch der Therme noch einen kleinen Spaziergang auf dem Panoramaweg um die Insel und landen schließlich in der Enoteca delle Antiche Mura, wo wir einen leckeren Snack nehmen und Aperol trinken. Die kleine Snack Bar ist richtig schnuckelig und durch ihre Lage in einer Seitengasse ist es hier nicht ganz so wuselig, aber trotzdem hat man noch genug zu beobachten, wenn man denn einen der wenigen Plätze außen ergattert!

Saló

Unsere Unterkunft lag in der Nähe von Saló, weshalb wir diese kleine Stadt natürlich auch angeschaut haben. Hier folgen einige Impressionen – klein, aber fein!

Nur 3 Tage am Gardasee und wir haben so viel gesehen! Vorher waren wir noch in Mailand – wenn du hier ein paar Insidertipps haben willst, klick doch direkt mal hier. Viel Spaß!

*Werbung (unbezahlt), da Orts-/Namensnennung

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