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Lake O´Hara – unser Highlight im Yoho Nationalpark

Manchmal muss man einfach Glück haben – der Spruch trifft für diesen Tag ins Schwarze. Glück, weil man zum Lake O´Hara wirklich nicht so einfach hinkommt. Wir haben es geschafft und durften ein einzigartiges Juwel im Yoho Nationalpark bewundern. Der Lake O´Hara landete bei all den wunderschönen Dingen, die wir auf unserer Rundreise durch Westkanada sehen durfte auf Platz 1 unserer Highlights. Natürlich lag es auch sehr an den Umständen, die uns überhaupt die Möglichkeit gaben, dorthin zu fahren. Aber der Reihe nach…

Planung eines Besuchs des Lake O´Hara

Die ganze Planung begann, als wir im Februar noch zuhause in Münster saßen. Wir überlegten, was wir gerne sehen wollen, informierten uns über schöne Seen, Wanderungen, Wasserfälle, Berge. Und da blieben wir beim Lake O´Hara hängen. In den Reiseführern als Juwel, als schönster See Westkanadas beschrieben, als eines der Highlights im Yoho Nationalpark. Komischerweise fanden wir wenige Reiseblogs oder -berichte online, die im Yoho Nationalpark den Lake O´Hara besucht haben, die meisten schrieben lediglich über den scheinbar ebenso sehenswerten Emerald Lake. 

Kurz darauf erklärte sich uns auch, warum: Der Zugang zum See ist limitiert auf 40 Personen pro Tag. Wow, das ist nicht viel. Mit dem Auto kommt man nicht hin, denn es fährt nur ein Shuttle Bus, der diese 40 Personen bis zum See fährt. Ich war Feuer und Flamme, das muss was Besonderes sein, vor allem wenn so wenig Leute dort hinkommen! Aber…. wie bekommt man dafür nur einen Platz?

Wir landeten auf der Seite der Nationalpark Verwaltung von Kanada, auf der wir auch alle unsere Campingplätze buchten. Auf dieser Seite bucht man ebenfalls Tickets für Busse oder Eintrittskarten für die Nationalparks. 

Für den Lake O´Hara Shuttlebus kann man aber nicht einfach ein Ticket buchen – man nimmt an einer Lotterie teil und muss einfach Glück haben.

Wir sitzen also gemeinsam auf dem Sofa und überlegen. Wollen wir die 12$ zahlen, nur um an der Lotterie teilzunehmen, bei der es scheinbar extrem unwahrscheinlich ist, zu gewinnen? In vielen Kanadaforen lesen wir, dass einige Leute schon seit Jahren versuchen, ein Busticket zu ergattern, aber es bisher nie geschafft haben. Wir entscheiden uns, es wenigstens zu versuchen!

Tickets für den Shuttlebus – wir haben einen Platz!

Wir schauen also in unsere Planung, wann wir ungefähr im Yoho Nationalpark wären und Zeit hätten, den Lake O´Hara zu besuchen. Dann geht es auf die Seite der Nationalparkverwaltung, wo man sich wieder etwas durchklicken muss, bis man zu der gewünschten Seite gelangt. Dort sucht man sich die Tage aus, an denen man zum See fahren möchte und gibt die gewünschte Uhrzeit 8.30Uhr oder 10.30Uhr an. Wir als Frühaufsteher entscheiden uns für den 8.30 Uhr Bus, da wir ein wenig die Hoffnung haben, dass der Großteil der Besucher lieber entspannt um 10.30 Uhr fährt, um etwas ausschlafen zu können. Man gibt seine Daten ein, zahlt die 12$ für zwei Personen und kann dann nur noch hoffen.

Nach der offiziellen Bewerbungsphase erhält man dann einige Wochen später eine Mail, ob man dabei ist oder nicht. Ehrlichgesagt war unsere Hoffnung wirklich gering – wir waren nun mal im Juli unterwegs, da werden wir nicht die einzigen sein! Und dann, ich hatte kaum damit gerechnet, flattert Anfang April eine Mail in mein Postfach: 

“Your application for the Lake O’Hara Bus Draw was SUCCESSFUL.”

Oh. Mein. Gott. 

Wir können unser Glück kaum fassen, aber wir dürfen zum Lake O´Hara!! Wir freuen uns so unglaublich, zu den ausgewählten Personen zu gehören, die bei dem Ansturm auf die Tickets einfach Losglück hatten und zu einem der Highlights im Yoho Nationalpark fahren dürfen. Yeeaahhh!! Man hat dann 2 Wochen Zeit, seine Tickets zu bestätigen und für 15$ pro Person endgültig zu kaufen. Alle Tickets, die bis dahin nicht angenommen werden, werden an andere Bewerber vergeben. 

Kein Glück gehabt? So kommst du trotzdem zum See

Mit dem Auto zum See ist nicht möglich, auch nicht über Umwege, Geheimwege oder gegen Bezahlung. Es fährt nur der Shuttlebus. Daneben gibt es aber die Möglichkeit, zum See zu wandern. Hier sei allerdings gesagt, dass die Wanderung schon 11km lang ist und nicht sonderlich spannend, da man stetig an einer Straße bergauf geht. Hier braucht man auch nicht hoffen, dass der vorbeifahrende Bus gnädig ist und einen doch noch mitnimmt, der fährt stumpf an den Wanderern vorbei. Wer also die Trails und Wanderungen am See machen möchte, hat dann schon 11km in den Beinen! Wer aber nur einmal zum See möchte, für den wäre das aber vielleicht eine Option.

Auch kann man versuchen, morgens noch vor Abfahrt der Busse da zu sein und zu fragen, ob jemand nicht erschienen ist. Diese Tickets sind dann natürlich frei und werden an andere Leute vergeben. Damit hat man zwar absolut keine Planungssicherheit, aber vielleicht hat man hier dann einfach Glück ☺️

Ganz sicher hat man einen Platz im Bus, wenn man am Campground oder den Lodges vom Lake O´Hara übernachtet. Die Lodges sind richtig teuer (vom Campground weiß ich es nicht, da darf man nur zelten und nicht mit dem Van hin), aber damit hätte man sein Busticket ebenfalls sicher 😉

Unser Tag am Lake O´Hara

Wir fahren morgens extrem früh los von unserem Campground in Golden, um passend zur Busabfahrt im Yoho Nationalpark zu sein. Wir müssen 20min vor Abfahrt da sein, sonst verfällt das Ticket und wird an andere Personen gegeben. Auf dem Parkplatz stehen zwar mehrere Autos, aber das sind auch die Autos der Leute, die sich eine Lodge gemietet haben oder auf dem Campground in der Nähe des Sees übernachten. Es ist kalt, wir sind schließlich im Hochgebirge, weshalb wir Mütze, Jacken und extra Pulli anhaben. 

Ein alter Schulbus wartet auf uns und mit 18 anderen gespannten und glücklichen Personen tuckern wir damit die Straße zum See. Unterwegs werden wir von einer Rangerin noch über das Verhalten in der Natur oder bei Bärenbegegnungen aufgeklärt. Außerdem kann man diese Zeit nutzen, um Fragen zu stellen zu den Bedingungen einzelner Trails, von denen auch jetzt im Juli offensichtlich immer noch einige zu verschneit sind, um gewandert zu werden.

Am See angekommen auf knapp über 2000m Höhe, werden wir an einer süßen Holzhütte rausgelassen, an der man sich Kartenmaterial, Infos, Kaffee und Snacks besorgen kann. Wir schauen uns auf einer tagesaktuellen Karte die begehbaren Trails an und entscheiden uns für eine Kombination aus dem Trail zum Lake Oesa und den Rundweg um den Lake O´Hara.

Dann gehen wir zum ersten Mal zum Ufer des Sees. Und diese Schönheit lässt sich einfach nicht fotografisch festhalten. Die Sonne geht gerade hinter den schroffen, teils noch schneebedeckten Bergen auf und fängt an den See zu beleuchten, der so glasklar ist, dass man bis auf den Grund schauen kann. Es ist ganz still und man hört die Vögel zwitschern, den Wind rauschen und hier und da mal einen Fisch, der an die Oberfläche kommt. Noch ist es bitterkalt, und wir wollen eigentlich gar nicht loswandern, weil wir so gefesselt sind von diesem Anblick.

Dann laufen wir irgendwann langsam los, gegen den Uhrzeigersinn um den See. Wir kommen an den Chalets vorbei, laufen die ganze Zeit mit Blick auf den See durch wunderschönen Wald, vorbei an Wasserfällen und Aussichtspunkten. Einen kleinen Abstecher machen wir zum Lookout bei einem Wasserfall.

Wanderung zum Lake Oesa

Dann markiert eine Abzweigung den Weg zum Lake Oesa, der mit 3 Stunden ausgeschildert ist. Auf der Karte sehen wir, dass wir scheinbar 3 andere Seen passieren werden, um dann zum Lake Oesa zu kommen. Zunächst geht es steil bergauf und es ist so still, dass ich etwas Angst vor einer Bärenbegegnung habe. Laut quatschend und mit einer Bonbondose raschelnd machen wir also auf uns aufmerksam, um die Bären zu vertreiben. Mit dem wir das erste steile Stück laufen verschwinden nach und nach auch Jacken und Mützen im Rucksack. Als wir ein kleines Plateau finden mit einem wunderbaren Blick auf den Lake O´Hara von oben setzen wir uns hin und genießen unser mitgebrachtes Frühstück – Haferflocken mit Banane. 

Dann geht es weiter über ein Geröllfeld, bei denen man sich immer wieder konzentrieren muss, wo jetzt der eigentliche Weg langgeht. Man muss immer wieder schauen, ob man noch richtig ist, denn Schilder oder Zeichen sind rar gesät, wenn überhaupt vorhanden. Durch größere, aneinandergelegte Steinplatten erkennt man aber den Weg, man muss nur genau schauen. Zwischen diesen Steinen sehen wir immer wieder Chipmunks und Murmeltiere, die flink herumlaufen. Dann gelangen wir zum vergleichsweise wenig spektakulären ersten See, den man auch nur von weiter weg sieht. 

Danach wird der Weg wieder schöner: es geht wieder in den Wald, mal mehr mal weniger steil, bevor wir zum nächsten See kommen, der uns erstmal wieder eine lange Pause machen lässt. Das sind die Bilder, die wir uns erhofft haben. Ein unbeschreiblich klarer Bergsee vor atemberaubender Bergkulisse. Wir machen unendlich viele Fotos, bis es weiter geht. Nach nicht allzu langer Zeit kommen wir an einen Wasserfall, dahinter noch ein unfassbar schöner See. Es sind wieder so viele Highlights auf so kurzer Strecke, und wir müssen uns immer wieder vor Augen führen, dass es hier vermutlich auch so schön ist, weil eben so wenig Menschen nur hier hinkommen.

Dann haben wir es geschafft, wir stehen am Lake Oesa! Nur 2 andere Frauen stehen hier, ansonsten ist niemand da. Hier liegt noch viel Eis und Schnee und trotzdem ist es warm genug, um eine längere Pause einzulegen. Wir genießen die Ruhe, freunden uns mit einem Streifenhörnchen an, was kurz davor war in unseren Rucksack zu springen, machen noch mehr Fotos und packen dann wieder die Sachen, um umzukehren.

Auf dem Weg runter kommen uns nun ein paar mehr Leute entgegen, wahrscheinlich ist der 10.30 Uhr Bus mittlerweile auch angekommen. Wir passieren wieder die schönen Seen, saugen die Bilder auf wie ein Schwamm, um sie bloß niemals zu vergessen, und kommen dann wieder am Lake O´Hara an. Hier gehen wir das letzte Stück vom Ufer-Wanderweg entlang, bis wir erschöpft aber überglücklich wieder an der Holzhütte ankommen. 

Die schönste Bank direkt am See ist frei, mein Herzensmensch holt uns Kaffee und Karottenkuchen, der hier eine Legende sein soll. Eine Frau hatte uns im Bus auf der Hinfahrt geraten, diesen Möhrenkuchen zu probieren und im Nachhinein hätte ich sie gern geknutscht. Dieser Möhrenkuchen war mit Abstand der beste, den ich in meinem Leben gegessen habe. Das lag erstmal am leckeren Kuchen selbst, aber auch an der Kulisse, vor der wir ihn gegessen haben und der Belohnung, die darin steckte für die anstrengende Wanderung. 

Wir sitzen einfach auf der Bank, freuen uns immer noch, dass wir so ein Glück hatten, hierhin zu kommen und entscheiden uns, den Bus um 14.30 Uhr wieder runter zum Auto zu nehmen. 

Allgemeine Informationen und weitere Highlights im Yoho Nationalpark

Der Yoho Nationalpark in British Columbia ist eigentlich vergleichsweise klein. Dennoch hält er auf kürzester Strecke und nah beieinanderliegend Unglaubliches für seine Besucher bereit: faszinierende Berg- und Panoramaaussichten und wunderschöne Seen oder Wasserfälle, man muss nicht weit fahren um zum nächsten Highlight im Yoho Nationalpark zu gelangen. So werden vor allem der Emerald Lake und auch die Takakkaw Falls häufig erwähnt als lohnenswerte und sehr schöne Stopps, leider aber auch als meistbesuchte Attraktionen des Parks.

Grundsätzlich braucht man für den Besuch des Nationalparks einen gültigen Nationalparkausweis, den man vor Ort in allen Visitor Centern oder Infohäuschen im Park kaufen kann, oder aber online auf der Seite der Nationalparkverwaltung.

Ausrüstung und Bärenbegegnungen

Für die Trails in diesem Gebiet sollte man gut ausgerüstet sein: feste Wanderschuhe, angepasste Kleidung, Verpflegung und Kartenmaterial. Zudem sollte ein Glöckchen am Rucksack oder, wie wir auch hatten, eine Dose mit Steinen oder Bonbons zur Vorbeugung einer Bärenbegegnung mitgenommen werden. Hilfreich ist auch, ein Bearspray mit sich zu führen. Wir haben zuerst gedacht, dass wir so etwas nicht brauchen werden, da Bärenbegegnungen eher selten sind. Letztendlich haben wir uns doch eins gekauft, weil wir auf der Strecke aus dem Auto so viele Bären gesehen haben! Es mit sich zu führen gibt einem aber das Gefühl von mehr Sicherheit, auch wenn es mit 50$ nicht gerade billig ist.

Besuch der Takakkaw Falls

Immer noch geflasht und k.o. von der Wanderung am Lake O´Hara sind wir gegen 15 Uhr wieder an unserem Auto. Wir haben noch Zeit und überlegen, welche Highlights im Yoho Nationalpark wir noch anschauen können. Da gibt es den Emerald Lake, der aber auf den Bildern bei Google nicht ansatzweise so schön aussieht wie das, was wir grad eben noch gesehen haben. Also entscheiden wir uns für die Takakkaw Falls, einem riesigen Wasserfall unweit vom Lake O´Hara.

Hier auf der Strecke zu den Falls gibt es eine ganz enge Kurve, sodass lange Wohnmobile und Busse rückwärtsfahren müssen, um sich nicht festzufahren. Natürlich hatte sich kurz vor unserer Ankunft ein schlauer Busfahrer gedacht, Hinweisschilder sind was für Anfänger und steckte nun fest. Zwangspause also für uns auf der Straße. Irgendwann rollt der Verkehr aber wieder, und wir kommen zum Parkplatz der Takakkaw Falls. 

Hier ist ziemlich viel los, wir gehen den flachen Wanderweg zu den Wasserfällen und kurz vorher merken wir schon, wie wir leicht besprüht werden – sehr erfrischend, bei der Hitze! Der Wasserfall ist spektakulär, so viel Wasser, was fast 400m tief stürzt, womit die Takakkaw Falls die zweithöchsten Wasserfälle in Westkanada sind.

Ebenfalls sehr schön finde ich aber den Fluss, der durch den Wasserfall entsteht und in diese wunderschöne Landschaft fließt. Ich liebe Kanada und kann nur immer wieder sagen: Bilder geben nicht ansatzweise das wieder, was man dort wirklich sieht.

*Werbung (unbezahlt), da Orts-/Namensnennung

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